#writingfriday
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#writingfriday [12. August 2022]

Für heute habe ich mir das Thema „Wenn ich groß bin, werde ich…. “ ausgesucht. Du findest die Schreibthemen und auch die Teilnehmerliste bei Elizzy von read books and fall in love.

“Wenn ich groß bin, werde ich eine der größten Jägerinnen weit und breit werden!” denkt sich Nala. Sie sitzt versteckt hinter einem großen Stein und beobachtet ihre Brüder, die viel größer und stärker sind als sie, obwohl sie eigentlich alle drei gleich alt sind.  

Ihre flauschigen Ohren hat sie aufmerksam gespitzt um kein Geräusch zu verpassen, weder von denen, die ihre Brüder von sich geben, noch von denen, die weiter entfernt zu hören sind. Eigentlich müsste Mutter bald von der Jagd zurückkommen. Nala verspürt einen leichten Hunger und ohne ihr Zutun beginnt ein Tagtraum Gestalt anzunehmen.  

Sie ist auf der Pirsch, sie wittert, dass das köstlich riechende Stück lebendigen Fleisches ganz in ihrer Nähe ist. Die Ohren gespitzt, die Pfoten zum Sprung bereit, lauert sie hinter einem großen Stein und wartet nur darauf, dass ihre zukünftige Mahlzeit nicht aufpasst und sie zuschlagen kann. Genüsslich leckt sie sich die Lippen und schmeckt schon, wie sich der frische und blutige Geschmack eben erst erlegten Fleisches sich in ihrem Mund ausbreitet. Wenn sie sich nicht beherrscht, wird ihr das Wasser nur so aus dem Maul tropfen und sie von ihrer Mission ablenken.  

Kurz zuckt sie zusammen, weil ein metallisches Geräusch sie aus diesem Tagtraum aufschrecken lässt. Noch ist sie klein und unbeholfen, aber schon bald ist sie die Königin der Steppe. Sie muss nur ein wenig üben und etwas Geduld haben, dann ist sie bald nicht mehr so tapsig. Und sie muss noch etwas wachsen. Wann ist es denn endlich soweit, dass sie groß und alt genug ist um selber jagen zu gehen? Dann wird sie auch nicht mehr süß, sondern furchteinflößend aussehen. Ah, sie könnte versuchen zu brüllen, denn das macht bei ihren Familienmitgliedern immer viel her. Es klingt beängstigend und sieht machtvoll aus. Doch nur ein klägliches Fiepsen entrinnt ihrer Kehle. Frustriert läuft sie etwas herum und merkt, dass sie gar keinen richtigen Auslauf hat. Gitterstäbe versperren ihr den Weg und engen sie ein.  

Aus den Erzählungen der Mutter weiß sie, dass die Steppe endlos groß ist und jeder satt wird, der jagen kann. Unter endloser Weite hat sie sich allerdings etwas anderes vorgestellt als das hier. Doch dann sieht sie, dass hinter einem Busch ein großes Stück rohen Fleisches liegt. Das sieht nicht so aus, als hätte einer ihrer Artgenossen es gerissen, es ist an den Seiten ordentlich und ein einer geraden Linie abgetrennt worden. Langsam geht sie darauf zu und schnuppert. Riecht gar nicht schlecht, etwas abgelegen, aber sie will nicht wählerisch sein.  

Als sie den Kopf hebt, sieht sie, dass sie zweibeinige Wesen mit Entzückung im Gesicht ansehen und alles, was sie tut, beobachten. Was wollen die hier? Warum beobachten die sie? Davon hat die Mutter ihr noch nie erzählt. Seit sie sich erinnern kann, hat sie immer mit Mutter und den Brüdern in einem versteckten Winkel gelegen, weil die Mutter sie beschützen wollte. Sie hatte Angst, dass die Geschwister schutzlos den Gefahren der Wildnis ausgesetzt sind und am Ende mit dem Leben bezahlen müssen. Die Wildnis ist hart und erbarmungslos. Das hat Mutter immer wieder betont.  

Während sie all das durchdenkt, bemerkt sie, dass Mutter auf leisen Sohlen heranschleicht. “Mein geliebtes Kind, es tut mir leid, dass ich dir die ganze Zeit verschwiegen habe, dass wir in einem Zoo leben. Ich habe mir mein Leben lang gewünscht, dass ich frei bin und wollte dir zu Beginn deines Lebens zeigen, wie schön das Leben außerhalb dieses großen Käfigs sein kann.” Nala hört die Traurigkeit in der Stimme ihrer Mutter und wird plötzlich auch unendlich traurig.  

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